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ENTBINDUNGSTERMIN

Eins vorweg: Nur weil eine Frau schwanger ist, muss sie nicht ihre gesamte Intimsphäre vor jedem offenlegen. Wenn eine werdende Mama den genauen Entbindungstermin für sich behalten möchte, dann muss und soll das respektiert werden. Kommentare wie „Ach stell dich nicht so an, du wirst ja wohl wissen, wann das Baby geboren wird“ sind fehl am Platz.
Ich für meinen Teil habe aus meinen Fehlern gelernt, was die Bekanntgabe des Entbindungstermins angeht. In der 1. Schwangerschaft war ich sehr mitteilungsfreudig und bin sehr offen damit umgegangen. Leider resultierte daraus, dass in den letzten 3-4 Wochen beinahe täglich „Ist es schon da?“ Nachrichten bei mir eingingen, was mich zunehmend genervt hat. Flüchtige Bekannte oder solche, mit denen ich kaum noch Kontakt hatte, meldeten sich plötzlich ständig. Wenn das Baby dann noch den errechneten ET überschreitet, ist es für die ebenfalls wartende Baldmama selber schon eine körperliche und seelische Tortur, ohne noch von solch nervigen Nachrichten oder Anrufen überflutet zu werden.


Mein Tipp an jede Baldmama: Seid euch selber lieb und teilt den errechneten Entbindungstermin nur den Leuten mit, denen ihr vertrauen könnt. Und allen anderen macht ihr einfach eine weit ausgedehnte Zeitangabe. Frühling, Winter, Herbst, Sommer, dieses Jahr, nächstes Jahr sind gute Antworten und lassen viel Interpretations-Spielraum oder ihr fügt einfach 3-4 Wochen zum ET hinzu, so könnt ihr vielem aus dem Weg gehen ;-)

Also liebe ungeduldige und neugierige Zeitgenossen: einfach die frohe Botschaft abwarten und sich mitfreuen, sobald der neue Erdenbürger eingetroffen ist. Denn sobald das Baby da ist, haben sich noch alle glücklichen Eltern an ihre Familie und Freunde gewand und die freudige Nachricht mitgeteilt!

BABYBAUCH, GEWICHT...

„Bist du sicher, dass da nur eines drin ist und du keine Zwillinge erwartest?“

„Geht es wirklich noch 3 Monate bis zur Geburt, dein Bauch ist ja schon riesig!?“

„Dein Bauch ist aber zu klein / zu gross für den Schwangerschaftsmonat!“

„Du hast ganz schön zugelegt!“

„So kugelrund wie du bist, wird es sicher ein Riesenbaby!“

„Du siehst wirklich schon sehr schwanger aus!“

„Was? Du bist erst 4 Monate schwanger?!“

Das alles sind wirklich unangebrachte, verletzende Sprüche und Kommentare, die man wirklich niemals zu einer Schwangeren sagen sollte. Hier gilt: Wenn du nichts Nettes zu sagen hast, dann halt am Besten den Mund!

Eine Schwangerschaft ist eine schöne und wunderbare Erfahrung für jede werdende Mama, aber auch eine Reise mit einigen Hochs und Tiefs und sehr vielen körperlichen und anstrengenden Veränderungen. Meist fängt alles mit der ausbleibenden Regel, der auftretenden Schwangerschaftsübelkeit oder einem positiven Test an. Zwei Striche auf einem Test, der das Leben der werdenden Eltern ab diesem Moment an komplett auf den Kopf stellt. 

Für die werdende Mama ändert sich ab diesem Zeitpunkt so einiges: Es gibt wie gesagt zahlreiche physische Veränderungen, die einen werden positiv und die anderen werden eher negativ empfunden. Zudem bereitet sich jede Mama auch seelisch auf ihre neue Rolle und Lebensaufgabe, das Muttersein vor und die Schwangerschaftshormone machen sie sensibler und verletzlicher als sonst. Während der Schwangerschaft belasten sie oft auch Ängste und Sorgen und an manchen Tagen zweifelt sie vielleicht auch an ihrem Aussehen. Sie steht vor ihrem Kleiderschrank und nichts will so richtig passen. Ihr Rücken schmerzt, die Füsse sind geschwollen und sie ist sehr müde.

Manche Schwangere lieben ihren wachsenden Babybauch, wieder andere kommen nur schwer mit der Gewichtszunahme klar und erkennen ihr Selbst oft nicht wieder. Es gibt auch Schwangere von sehr schlanker Statur, die es kaum erwarten können, bis die ganze Welt ihren Babybauch erkennen kann und die Monate lang darauf warten müssen. Dann wiederum gibt es werdende Mamas, die während der Schwangerschaft unter Präeklampsie (Schwangerschaftsvergiftung)  oder Schwangerschafts-Diabetes leiden und daher in kurzer Zeit viel an Gewicht zu legen oder andere die Probleme mit Wassereinlagerungen haben…

Fakt ist, wir können nie sicher sein und genaustens wissen, wie es unserem Gegenüber geht. Was für eine Geschichte man durchlebt oder wie es drinnen aussieht. Und jede Schwangerschaft ist anders, genau wie eben jede Frau anders ist. Wieso um Himmels Willen also sollte man eine werdende Mama, die 10 Monate ein kleines Wunder unter ihrem Herzen trägt und Leben spendet in irgendeiner Weise verletzen wollen? Es gibt keinen Grund dazu! Jedes Baby ist ein Wunder der Natur und jede Mama eine kämpferische, mutige Löwin, die unseren vollsten Respekt verdient hat und bestimmt nicht beleidigt oder verletzt werden sollte. Anstatt den wachsenden Babybauch oder das Gewicht zu kommentieren, probiert es doch einfach mit Nettigkeit! Besser wäre allemal ein Kompliment, was bestimmt jeder werdenden Mama gut tun würde.

Beispiel:

„Die Schwangerschaft steht dir!“ oder ein „Du bist eine wunderschöne Mama!“ sind Balsam für die Seele jeder Schwangeren.

Und merkt euch, jede Schwangere hat einen Spiegel zu Hause und wird von Zeit zu Zeit bei Schwangerschaftskontrollen gewogen - wir werdenden Mamas wissen genau wie viel wir wiegen und unsere Ärzte werden uns darauf aufmerksam machen, wenn etwas nicht in Ordnung sein sollte. Also könnt ihr euch eure gehässigen Kommentare mehr als sparen.


PS: Kommentare zum Gewicht sind nie in Ordnung - ob schwanger oder nicht! Gerade in der heutigen Zeit mit den unerreichbaren Schönheitsidealen, die uns überall aufgedrängt werden…

 

GESCHLECHT

„Oh ein Junge? Naja, nächstes Mal wird es dann bestimmt ein Mädchen!“

„Ein Stammhalter wäre aber besser gewesen!“

„Nochmals ein Mädchen, der arme Vater mit 3 Frauen zu Hause!“

„Dein Bauch sieht nach Junge aus! Es wird bestimmt ein Junge!“

Ist die Schwangerschaft erst mal verkündet, wird immer wieder folgende und gleiche Frage gestellt: „Wisst ihr schon was es wird?“

Nun hat man zwei Möglichkeiten: Entweder man sagt die Wahrheit und kriegt ungefragte und leider meist doofe Kommentare zu hören oder man weicht charmant aus: Das Baby hat sich noch nicht gezeigt, wir lassen uns überraschen, wir wollen es nicht wissen…


In meiner 1. Schwangerschaft habe ich mich aus Freude und voller Glückshormone dazu leiten lassen, zu vielen Leuten zu erzählen, was es wird. Und prompt rieselten einige unangebrachter Kommentare auf mich ein. Unser grosses Glück aber war, dass wir es selber erst sehr spät herausfanden, da unsere Kleine sich im Ultraschall immer weggedreht oder die Beine aneinander gepresst hat…

Mich hat es aber immer schon erstaunt, wie viel fremde Personen plötzlich von einem wissen wollten, sobald der Babybauch da war. Überall wird man angesprochen und gefragt, wie weit man ist, wann das Baby kommt, was es wird und und und… Es scheint fast so, als ob man als Schwangere sein Recht auf Privatsphäre mit wachsender Babykugel mehr und mehr aufgibt und ungewünschte Ratschläge prasseln nur so auf einen ein. Versteht mich nicht falsch, ich freue mich über jede Person, die sich für uns und unser Glück mitfreut und ihr Interesse bekundet aber wo ziehen wir die Grenze? Wo genau fängt der Eingriff in die Intimsphäre an? Beim Erfragen des ET’s oder ungefragten Berühren des Babybauchs? Ich denke, dass muss jede Schwangere für sich entscheiden. Wichtig ist nur, dass jede werdende Mama sich dabei wohlfühlt.


BABYNAMEN

"Was?! So wollt ihr wirklich euer Kind nennen?"
"Die Katze von unserem Nachbar heisst so!"
"Also jede/jeder mit dem Namen ist mir unsympathisch"
"XY wäre doch viel schöner!"

 

Liebe werdende Eltern, ich empfehle euch den Namen nur nahestehenden, vertrauensvollen Personen mitzuteilen. Geschmäcker sind eben verschieden und negative Kommentare zu eurem Wunschnamen beeinflussen euch dann leider auch negativ. Nur ihr als Eltern wisst, was der perfekte Name für euer Kind ist. Wenn ihr diesen für euch behaltet, könnt ihr euch viele Enttäuschungen ersparen. Es gibt genug Geschichten darüber, wie sich ehemals beste Freunde den absoluten Favoriten-Namen „geklaut“ haben und sich ihre Wege dann trennten. Oder Eltern die sich in letzter Sekunde wegen einem blöden Kommentar umentschieden und dann die neue Namenswahl ewig bereuten. Wenn man sich einmal für den Namen das Babys entschieden hat, ensteht eine noch engere Verbindung zu eurem Kind in Mamas Bauch und wenn ihr diesen dann kurz vor der Geburt nicht mehr gut findet, nur weil eine Arbeitskollegin oder Tante euch diesen madig gemacht hat, wäre das doch wirklich schade. 

Und an alle Kommentatoren, die ihre Meinung gegenüber werdenden Mamas und Papas unbedingt kund tun müssen:
1. Seid froh und dankbar, dass euch so eine grosse Sache anvertraut wurde
2. Behaltet eure Meinung für euch und freut euch mit den werdenden Eltern
3. Ihr werdet eines Tages vielleicht auch froh sein, dass euch niemand die Freude an eurem Favoriten-Namen nimmt

Einen Namen negativ zu kommentieren ist ein No-Go - egal ob das Kind noch nicht geboren ist oder schon da ist. Das gehört sich einfach nicht.


RATSCHLÄGE UND KOMMENTARE

„Du musst unbedingt stillen!“

„Du darfst die ersten 3 Monate nicht mit dem Neugeborenen aus dem Haus!“

„Ab jetzt isst du für Zwei!“

„Nur wer ohne PDA gebärt, hat richtig geboren!“

„Wassergeburt ist das Beste!“

„Wieso isst/trinkst du das nicht? Das ist doch nicht schlimm?!“

Welche Schwangere kennt sie nicht, die ungefragten und unerbetenen Ratschläge, unangebrachten Kommentare und schaurigen Geschichten über Geburten. Auch ich wurde nicht davon verschont, aber jetzt in meiner 2. Schwangerschaft weiss ich gut damit umzugehen. Das war beim ersten Mal definitiv nicht so. Heute bin ich viel gelassener was die „gutgemeinten“ Ratschläge angeht. Denn heute weiss ich, dass man als Mama immer und zu jeder Zeit selber weiss, was das Beste für sein Kind ist. Heute verstehe ich, dass nicht alles was bei anderen funktioniert, das Richtige und Beste für mich und mein Kind ist und nicht alles nach Ratgeber gemacht werden kann. Denn jedes Kind ist anders und hat andere Bedürfnisse. Und heute weiss ich auch, was auf mich zu kommt, sei es bezüglich körperlicher Veränderungen, Geburt oder Wochenbett. Umso schlimmer finde ich es, dass es immer wieder Leute gibt, die meinen Erstgebärenden Horrorgeschichten erzählen zu müssen oder meinen, sie allein wüssten was das Beste sei. Am Liebsten haben wir diese Tipps und Geschichten doch von Kinderlosen, gebt es zu liebe Mamas ;-)

Jede Schwangere muss und soll für sich selbst entscheiden, auf was sie in der Schwangerschaft verzichtet (denn wir Schwangeren beraten uns am Liebsten mit unseren Ärzten!), wie sie gebären möchte, ob sie stillen möchte usw. Beachtet hierbei auch stets, dass nicht immer alles nach Plan geht. Nicht jede Frau kann stillen (hierfür kann es viele Gründe geben), nicht jedes Baby mag im Tragetuch getragen werden und es gibt manchmal leider auch Situationen, in denen ein Kaiserschnitt notwendig ist. Es gibt Frauen, die mit dem Geburtsschmerz besser auskommen als andere und darum keine Medikationen benötigen genau gleich wie es Fraue gibt, die sich für eine PDA entscheiden. Aber keine gebärende Frau ist darum weniger oder mehr wert als die andere. Denn wir sind alle Heldinnen, wir haben alle Leben in uns wachsen und gedeihen lassen und ausgetragen.


Liebe Mamas und Baldmamas,

ich hoffe ich habe mit diesem Blogbeitrag vielen von euch aus der Seele gesprochen und ihr findet Trost darin zu wissen, dass wir mit unseren Sorgen, Ängsten und Problemen nicht alleine sind. Wir erleben die Schwangerschaft alle auf die eine oder andere Weise ähnlich und in einem sind wir uns alle gleich: Wir wollen nur das Beste für unsere Kinder und Familien.

Was ich euch noch ans Herz legen möchte: Lasst euch nicht von anderen verunsichern und vergleicht nicht! Egal ob Babybauch, Baby, Kleinkind, Kind, Teenager… Jeder Mensch ist anders und hat andere Bedürfnisse, sowie jeder Körper, jede Statur anders aussieht. Bleibt euch selber treu, unterstützt euch untereinander und helft euch gegenseitig die bestmöglichsten Mamas für unsere Kinder zu sein. Mommyshaming lassen wir im 2018 ;-)

Alles Liebe,

Sarah

 

 

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